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schwules und lesbisches coming out
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Ist schon eine Weile her.
So fast 30 Jahre. Also im Sommer 1974, gerade mal 5 Jahre nach der Abschaffung des berüchtigten Paragraphen 175.

Das ich "anders" war als Andere wußte ich bereits seit 6 Jahren. Ich hatte mir nie einen Kopf um irgendwelche Paragraphen gemacht. Doch nun war es an der Zeit, so fand ich, mein Leben so zu gestallten, wie es mir gefiel. Dazu schien es mir notwendig in die Großstadt über zu siedeln. Anonym in Hamburg zu leben erschien mir erstrebenswert. So brach ich denn meine Zelte bei meinen Eltern ab und zog in die Stadt. War gar nicht so einfach. Kaum angekommen, stellte ich fest, dass das Ausladen des Lkw für einen alleine schon eine Menge Arbeit war. So fuhr ich zu einer bekannten Schwulenkneipe (Gaybars gabs da noch nicht). Und suchte mir einen kräftigen Jungen, der mir helfen möge. Ich hatte einige Mühe, ihn zu überzeugen, dass ich nicht auf den Strich ginge und ich auch von ihm nichts anderes wollte, als dass er mir beim Ausladen hülfe. Na gut, er half. Nachdem alles eingeräumt war, bestellte ich uns erstmal eine Pizza. Während wir warteten, erzählte er mir ein wenig mehr von sich. Eigentlich ein ganz netter Kerl dachte ich mir und sah ihn mir nun erst einmal näher an. Und hübsch dazu. Nachdem wir gegessen hatten, zahlte ich ihm den vereinbarten Lohn. Erfreut nahm er es entgegen und erklärte mir, dass es sein erstes richtig verdientes Geld sei. Sonst ließ er sich immer nur für Sex bezahlen. War mir eigentlich egal ich fand ihn irgendwie nett. Eigentlich so gar nicht der abgebrühte Stricher, wie ich sie vom Bahnhof kannte. Da es sehr spät geworden war, lud ich ihn ein bei mir zu übernachten. Zu meiner Freude nahm er an. So machte ich zwei Betten fertig und wir legten uns schlafen. Müde genug waren wir. Am nächsten Morgen wurde ich dann sehr zärtlich mit einem Küßchen geweckt. Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen. Es war ja Wochenende. Und Abends blieb er. Und dann viele Abende. So verlief fast ein Jahr. Im Mai des folgenden Jahres stank mir die ewige Heimlichtuerei gegenüber meinen Eltern. So nahm ich meinen Freund und fuhr zu ihnen. Artig stellte ich ihn vor. Als meinen Freund ... und Liebhaber. Nun war es endlich raus, nach 7 Jahren Versteckspiel. Meine Mutter schaute mich nur an, nahm mich dann in den Arm und begann zu weinen. "Ich dachte mir schon, dass irgend etwas mit dir nicht stimmt" schluchzte sie. Und mein Vater? Er wurde böse. Nicht weil ich schwul war, sondern weil ich meine Mutter damit konfrontiert hatte. Es sei nicht nötig gewesen, war seine Meinung. Doch ich fand es war nötig, ich wollte nicht ewig mit einer Lüge gegenüber meinen Eltern leben. Bei aller Aufregung, mir war erheblich wohler zumute. Viel später, man schrieb mittlerweile das Jahr 1981 und ich hatte zwischenzeitlich meinen Arbeitsplatz gewechselt, outete ich mich auch in meiner Firma. Dort war man sehr tolerant. Ausserdem holte mich mein Freund, der in der Nähe arbeitete täglich von der Arbeit ab. Dass ich dort voll akzeptiert war, wurde mir kurz vor Weihnachten klar, als mein Chef uns, mit Partner, zur Weihnachtsfeier einlud. Im persönlichen Gespräch machte er mir klar, dass ich natürlich meinen Freund mitbringen solle. Soviel Akzeptanz hätte ich mir nie zu erträumen gewagt. Es wurde eine sehr schöne Weihnachtsfeier, mit meinem Freund. Dirk