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blind und schwul - na und?!
von Martin Feuerstein (Juni 2003)

Eigentlich wollte ich mit dem Thema Schwulsein zunächst gar nichts zu tun haben. In der Blindenschule wurde mir eingetrichtert, dass wir Blinden immer besser, als unsere sehenden Kollegen sein müssten und dass wir auf keinen Fall auffallen dürften. Selbst mein relativ liberaler Biologielehrer brachte uns noch 1972-73 bei, dass Homosexualität eine Fehlentwicklung sei. Dazu kam noch meine christliche Erziehung. Nach der Schule absolvierte ich mein Musikstudium und fiel auch wirklich nicht sonderlich auf. 1983 heiratete ich eine sehbehinderte Frau. Aber im Laufe der Jahre wurden mir meine eigentlichen Wünsche immer mehr bewusst.   grafiken/martinf.jpg
Martin Feuerstein


1994 trennte ich mich von meiner Frau, und 1997 zog ich dann nach Frankfurt. Aber auch von anderer Seite gestaltete sich mein Coming Out nicht ganz einfach: Ich musste bald feststellen, dass in der sogenannten Community Blinde nicht immer mit offenen Armen aufgenommen werden. So musste ich mir in einem Münchner Beratungszentrum für Schwule anhören: "So unappetitlich wie du aussiehst, brauchst du Dir keine Hoffnungen zu machen." Da ich ja keine Kontrolle über meine optische Ausstrahlung habe, hatte ich diesen Satz mehrere Jahre verinnerlicht.

Heute kann ich sagen, dass ich so, wie ich bin in Ordnung bin. Seit 5 Jahren lebe ich mit einem sehenden Freund. Ich bin wirklich froh darüber, schwul zu sein und wünsche allen behinderten Schwulen, dass sie auch im Bereich ihrer Sexualität ein erfülltes Leben führen können. Um blinden Schwulen die nötigen Informationen aus dem schwulen Leben zu vermitteln und uns untereinander besser zu vernetzen, habe ich gemeinsam mit einem Freund aus Hamburg die "Rosa Brille" eine Zeitschrift auf Tonkassetten ins Leben gerufen. Gemeinsam mit anderen schwulen Behinderten arbeite ich gerade an einer Internetseite für unseren Personenkreis.

martin.feuerstein@t-online.de