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Erde Das Besondere im Alltäglichen |
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<<< zurück Druckversion M Y T H O S K A S T R A T I O N Eine Abhandlung über (Ab-) und (Be-)Handlungen von Johanna Kamermans, Maastricht Der Text von Johanna Kamermans "Mythos Kastration" ist nicht teilbar, deswegen wird er hier ohne Kürzungen veröffentlicht. Die Autorin begüßt es, wenn Sie ihren Text ausdrucken und diskutieren. G.W.
"Farinelli" ist unterhaltend. Das ist das erste Plus. Er ödet nirgends an durch Langatmigkeit, obwohl
doch gerade darauf Farinellis Kunst gründete. Der Mann war wahrscheinlich der erfolgreichste Sänger aller Zeiten: ein Kastrat, der es
zum Wunderheiler am spanischen Hofe brachte. König Philipp V., dem Melancholiker auf dem Thron, hauchte er tagaus, tagein mit immer den gleichen
vier Liedern Überlebensmut ein und sah sich dafür fürstlich belohnt, ausgezeichnet, in den Ministerrang erhoben. Matthus folgt
diesem abenteuerlichen Lebensweg in attraktiv vorbeiflitzenden Bildern, zu denen er sich die Texte selber geschrieben hat, beflügelt dabei
durch Anregungen von Walter Jens usw." Warum nun dieses Zitat zu Anfang der Abhandlung - als Einführung in die Materie sozusagen? Die Antwort darauf mag sich
eher ernüchternd anhören: weil sich aus Überschrift und Textstellen in unnachahmlicher Art und Weise ablesen läßt, weshalb
das Phänomen Kastration noch immer als Faszinosum gehandelt wird bzw. die Phantasie anzuregen vermag - "Ein Kastrat heilt alle Wunden
...". Offenbar steht bei der aufgezeigten Sicht der Dinge das Produkt - als die Kunst der Künstlichkeit - im Vordergrund und nicht der
Mensch hinter dieser hehren Fassade: in Farinelli wird nur hineinprojiziert - bereits damals, aber wohl noch mehr heute: es ist ein richtiges
"Farinelli-Fieber" konstatierbar - und die tatsächlichen Begebenheiten seines realen Lebens bleiben außen vor bzw. werden
nur verklärt angedeutet. Wer will in einem solch überhöhten Zusammenhang der "Macht des Gesanges" schon wissen, was die
körperliche bzw. seelische Realität eines solchen Kastrationsvorganges für die betroffenen "castrati" bedeutet hat oder
anders gesagt: wie der Mensch dabei manipuliert wird? Keine Chance - es zählt hier - wie beim Doping - nur das Resultat, "die Macht
des Gesanges" eben. Oder, wie wir später bei der Geschlechtsumwandlungs-Ideologie sehen werden, die "Macht der Idee". Mit diesen kritischen Feststellungen sind wir bereits mitten in der Materie, und es dürfte deshalb angebracht sein,
für den hier zu behandelnden Kastrationskomplex gewisse Schwerpunktsetzungen vorzunehmen. Hierbei werden wir im vorwiegend geschichtlichen
Sinne vorgehen, und zwar in einer losen Reihenfolge nach mythologischen, rituellen, religiösen, gesellschaftlichen, medizinischen und ideellen
Gründen: letztere mit speziellem Bezug auf den transsexuellen Sektor. Bezüglich der Herkunft des Wortes Kastration ist in diesem Zusammenhang
festzuhalten, daß sich jenes vom lateinischen "castrere" bzw. "castro" ableiten läßt, und zwar in der dortigen,
ursprünglichen Bedeutung von "entmannen, abtrennen, schwächen". Als entsprechende weitere Synonyme gelten die Begriffe Entmannung,
Emaskulation und - in früheren Zeiten jedenfalls - Kapaunisierung. Gleichzeitig können wir feststellen, daß es sich bei diesen
Wortschöpfungen um solche aus einem patriarchalischen Umfeld handelt - mit einseitigem Bezug auf das männliche Geschlecht, auf die "Männlichkeit"
somit. Die Weiblichkeit ist dabei außen vor geblieben: Die Ausweitung des Kastrationsbegriffes auf das weibliche Geschlecht erfolgte erst,
als im letzten Jahrhundert die (patriarchalisch organisierte) Medizin sich auf die chirurgische Entfernung von Eierstöcken und Gebärmütter
zu spezialisieren begann - von einer entsprechenden "Entfrauung" war jedoch niemals die Rede ..... An späterer Stelle wird auf
diese spezielle, hochinteressante Problematik noch weiter eingegangen werden. Wenn wir uns nun näher mit dem Vorgang der (männlichen) Kastration auseinandersetzen, dann muß noch wieder
unterschieden werden zwischen der Entfernung des gesamten Genitalapparats, also Glied und Hoden, und der Entfernung nur der Hoden. Aus den entsprechenden
geschichtlichen Quellen ist sehr oft der Begriff Kastration nur im allgemeinen, undifferenzierten bzw. abwertenden Sinne überliefert, da
der Vorgang - aus patriarchalischer Sicht - nahezu immer als "unmännlich" gegolten hat - sozusagen als "sine qua non".
Erst in späteren Zeiten - als Folge der immer stärker fortschreitenden Entwicklung der Medizin - dürfte es dann, wie im Falle der
"castrati", zu einer Differenzierung des Begriffes Kastration gekommen sein. Im "Gesetz über die freiwillige Kastration und
andere Behandlungsmethoden" vom 15.8.1969 heißt es in §1 Begriffsbestimmung: "Kastration im Sinne dieses Gesetzes ist eine gegen die Auswirkungen eines abnormen Geschlechtstriebes gerichtete
Behandlung (!), durch welche die Keimdrüsen eines Mannes (!) absichtlich entfernt oder dauernd funktionsunfähig gemacht werden." Im "Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen
Fällen (Transsexuellengesetz - TSG)" vom 10.9.1980 heißt es in §8 Voraussetzungen u.a.: "3. dauernd fortpflanzungsfähig ist und 4. sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden
operativen Eingriff unterzogen hat, durch den eine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts erreicht worden ist". Obwohl für beide Geschlechter ausgelegt, ist dennoch nur die Rede vom "Antragsteller" in den Paragraphen
- eben doch wieder ein eigentlich "männliches" Gesetz, wie jenes aus dem Jahre 1969... Ebenso müssen wir uns bewußt sein, daß die Vorherrschaft des männlichen Prinzips über das weibliche
- so wie wir dies bis heute in der gesellschaftlichen Institutionalisierung des Patriarchats erleben - nicht immer derart ausgeprägt etabliert
war. Es gab in den langen, frühgeschichtlichen Zeiten davor durchaus eine Gleichwertigkeit beider Prinzipien ("androgynische Idee des
Lebens"), ja sogar davor noch wieder eine Dominanz des weiblichen Prinzips, institutionalisiert in der archaischen Verehrung der Großen
Göttin, der Magna Mater, als Urmutter aller Gottheiten, ob nun männlich, weiblich oder beides. Die bisherige Geschichtsschreibung der
Menschheit ist jedoch - nicht zuletzt unter Einfluß des Christentums - in einer vorwiegend männlich-patriarchalischen Sicht der Dinge
massiv verfälscht worden, und so existieren davon nur größtenteils einseitige Vorstellungen und Erklärungsmuster - erst der
amerikanische Feminismus hat entscheidend dazu beigetragen, daß der Blick auf die uralte Menschheitsgeschichte sich allmählich der
wahren Realität nähert. Besonders solche feministische Autorinnen wie Camille Paglia (Die Masken der Sex-ualität, 1993) und Barbara
G. Walker (Das geheime Wissen der Frauen, 1983/1993) haben maßgeblich - und zwar überaus logisch-argumentativ - aufgezeigt, welche
intensiven Anstrengungen das vor allem religiöse Patriarchat im Laufe seiner Entwicklung unternommen hat, um die allgegenwärtigen Spuren
des Matriarchats zu tilgen. Denn in jenen vorgeschichtlichen Zeiten waren Natur und Weiblichkeit eins: die Fruchtbarkeit der Frau, deren biologischen
Grundlagen damals noch nicht durchschaut wurden, rief Furcht und zugleich heilige Scheu hervor. Die Menschen der Frühzeit spürten intuitiv
das Geheimnis des Lebens, das jede Frau ganz selbstverständlich in sich trägt: die Existenz der "Gebärmutter" eben. Und
es gibt keinen Hinweis darauf, daß sich in jenen Urzeiten der Menschheitsgeschichte das männliche Geschlecht auch nur entfernt seiner
eigenen physischen "Samen"-Rolle im Fortpflanzungsprozeß bewußt war- diese Erkenntnis hat sich erst im Laufe der menschlichen
Domestizierung (Ackerbau und Viehzucht) ergeben. In ihrem Bemühen sich vom "Geheimnis des Lebens" und der (sichtbaren!) Fruchtbarkeit der Frau ein Bild zu
machen, gestalteten die Menschen die Grundidee von einem einzigen, weiblichen "Höchsten Wesen", der sogenannten "Großen
Göttin" oder "Magna Mater". Sie schuf das Universum mit seinen Gesetzen, und sie gebot über Natur, Schicksal, Zeit, Wahrheit,
Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe, Geburt, Tod usw., d.h. eine weibliche Urgestalt, vorerst überaus mächtiger als das (spätere) männliche
Pendant. Sie war nicht nur dessen Mutter, sondern auch die Gottheit, die die ganze Schöpfung mit dem kraftvollen "Blut des Lebens"
(sprich Menstruationsblut im ursprünglichen Sinne) durchdrang. Und die männlichen Gottheiten konnten nur mächtig werden, indem
sie an der Weisheit und der Kraft der Großen Göttin teilhatten bzw. -nahmen, bis sie schließlich die äußerste Hybris,
den symbolischen Muttermord begingen, indem sie eine ausschließlich männliche Theologie begründeten - unter den gravierendsten
und eklatantesten Umdeutungen natürlicher, menschlicher und geschichtlicher Wahrheiten. Worauf die Heiligtümer der Großen Göttin
vor längerer Zeit von den Menschen darauf niedergerissen wurden, so wie es ihnen - im Rahmen des Christentums - besonders die christlichen
Evangelien befahlen (Apostel 19, 27): "Aber es will nicht allein unserm Handel dahin geraten, daß er nichts gelte, sondern auch der Tempel der
Großen Göttin Diana wird für nichts geachtet werden, und wird dazu ihre Majestät untergehen, welcher durch ganz Asien und
der Weltkreis Gottesdienst erzeigt." Die Grundidee lebte aber - im Untergrund sozusagen - weiter und in heutiger Zeit haben Genetik und Molekularbiologie klar
aufgezeigt, daß - was die Menschen in ihrer Idee der Großen Göttin damals nur erahnten - die alleinige weibliche Urstruktur Ausgang
allen (geschlechtlichen) Werdens ist: "Am Anfang war das Weib", d.h. die Ausformung der ungeheuer komplizierten Prozesse im bisherigen
Evolutionsverlauf von Natur und Mensch geht ausschließlich vom weiblichen Ur-Element aus: das männliche Element ist imgrunde nur zusätzlich
vorhanden und vom weiblichen abgeleitet. Harte Wahrheiten für das Patriarchat und dem damit einhergehenden, noch immer weitgehend uneinsichtigen,
uralten "illusio virilis" - Denkmodell. Es dürfte wirklich an der Zeit sein für ein gesellschaftliches Umdenken, nicht zuletzt
bezüglich der offensichtlich allmählich zur Realität gewordenen "Normalität" der Kastrationsvorgänge im Rahmen
der in den letzten Jahrzehnten etablierten Geschlechtsumwandlungs-Ideologie ...! Aber noch sind wir nicht so weit, und wir wollen deshalb zurückkehren zu den bereits zu Anfang der Abhandlung vermerkten
mythologischen bzw. rituellen Grundlagen der Kastration. Hierbei möchten wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß es über
die genannten jahrtausendelangen Auseinandersetzungen zwischen dem (etablierten) männlichen Prinzip in der Frühgeschichte der Menschheit
erst eindeutige Zeugnisse gibt seit etwa 3000 v. Chr., dem Beginn geschichtlicher Aufzeichnungen (sumerische Keilschrifttafeln). Erste Darstellungen
der "Ur-Mutter", der "Großen Göttin", der Magna Mater, der Dea Syria wurden allerdings bereits vor ca. 30'000 Jahren
gefertigt: die berühmteste ist die "Venus von Willendorf" (Niederösterreich), eine ca. 20'000 Jahre alte Steinfigur mit stark
ausgeprägten weiblichen Geschlechtsmerkmalen (Brust und Becken). Und wie bereits ausgeführt, wurde die "Große Göttin"
in erster Linie als Erhalterin des Lebens, aber nicht zuletzt auch als Todesgöttin dargestellt. Fruchtbar und furchtbar waren Begriffe, welche
die ägyptische Isis, die sumerisch-babylonische Tiamat, die semitische Astarte, die syrische Anath, die griechische Hekate, die römische
Diana, die keltische Andrata oder die germanische Freya durchwegs gekennzeichnet haben. Die uralten Fruchtbarkeitsgöttinnen forderten dabei besonders Blutopfer - nicht zuletzt Menschenopfer vorwiegend männlichen
Geschlechts -, denn in jenen Urzeiten der Menschheitsgeschichte galt nur das Blut - und ganz besonders Menstruationsblut - als Medium der Fortpflanzung
des Lebens von Sippe oder Stamm ("Blut des Lebens"). Der Historiker Erich Neumann sagt hierzu: "Tötung, Opfer, Zerstückelung und Blutdarbringung sind magische Instrumente der Fruchtbarkeit." Auch in den vielen weltweiten Schöpfungsmythen ist diese uralte Blut-Symbolik enthalten, u.a. in der babylonischen
Vorstellung der Großen Göttin Ninhursag (Das Gegenstück zur ägyptischen Muttergöttin Hathor), die die Menschen aus Lehm
gemacht habe und ihnen ihr "Blut des Lebens" eingeflößt. Auch dem (patri-archalischen) Namen Adam lag diese Art Magie zugrunde:
das weibliche "adamah" bedeutet "blutiger Lehm", in späteren Zeiten im euphemistischen Sinne mit "roter Erde"
übersetzt. Eine ähnliche, uralte Blut-Symbolik finden wir beispielsweise noch erhalten geblieben im Auslegen des "roten Läufers"
für hohe Staatsgäste - lang, lang ist's her.... Zurückkommend auf die eigentliche Thematik dieser Abhandlung, kann somit - im stark vereinfachten Sinne allerdings
- gesagt werden, daß für die alten Völker des Orients - in ihrer alles umfassenden Verehrung der "Großen (Mutter-)Göttin"-
die vorbeschriebene Blut-Symbolik einen überaus überragenden Stellenwert in ihrem gesellschaftlichen Verständnis von Leben, Tod
und Fortpflanzung gespielt hat. Und wie bereits angedeutet, versuchten die Männer an diesem Fruchtbarkeitskomplex der Frauen teilzuhaben
und dies ganz besonders über die rituelle Kastration. Die primitive Absicht war dabei zweifellos - im magischen Sinne und in Anlehnung an
mythologischen Überlieferungen interpretiert - einen männlichen Körper in einen weiblichen zu verwandeln, indem die (überflüssigen
....) baumelnden Genitalien durch ein blutenden "Loch" (Imitation Menstruationsvorgang) ersetzt wurden. Sämtliche Mythologien legen
in der Folge auch den Schluß nahe, daß die Männer, bevor sie ihre reproduktive Rolle verstanden, versucht haben, sich selbst
zu "Frauen zu machen", in der Hoffnung dadurch eine Fruchtbarkeit wie die Frauen zu erlangen. Diese Methoden umfaßten - neben
der rituellen Kastration - noch die Couvade, also das Nachahmen des Geburtsvorganges, den vorgetäuschten Tod mit der Auferstehung, die Wiedergeburt
durch künstliche, "männliche" Mütter sowie die zeremonielle Verwendung roter Flüssigkeiten, um das Menstruationsblut
zu imitieren - auch die frühgeschichtliche Existenz des Transvestitismus gehört zu diesem Imitationskomplex der weiblichen Fortpflanzungsmagie:
die entsprechenden mythologischen Vorstellungen und Überlieferungen sind legion und in sämtlichen alten Kulturen weltweit anzutreffen. Wir beschränken uns deshalb auf eine kleine Auswahl derselben, angefangen beim ägyptischen Sonnengott Ra, der
sich selbst kastrierte, um das Geschlecht der Ammiu aus seinem Blut hervorzubringen. Der Phallus des hinduistischen "Großen Gottes",
Mahadera, wurde von Priesterinnen der Großen Göttin abgeschnitten und in Stücke gehauen. Die Teile kamen in die Erde und brachten
eine neue Menschenrasse hervor, die Lingagas (Männer des Lingam oder Phallus). In einer indianischen Variante (Chukchee) errang der Große
Rabengott weibliche Geheimnisse der Magie, in dem er das eigene Glied zu Brei zerstampfte und diesen der Göttin Miti (Mutter) zu essen gab.
Und in der mexikanischen Mythologie schuf die Erlöser-Gottheit "Quetzalcoatl" - um die Erde nach einer Flutkatastrophe neu zu bevölkern
- neue Menschen, im dem er sein Glied abschnitt und das Blut der "Herrin des Schlangenschurzes" zu trinken gab. Die Gestalt dieser Göttin,
der zahlreiche abgeschnittene Glieder an der Hüfte hingen, finden wir auch in vielen nahöstlichen Mythologien wieder und zwar als Anath,
der Zwillingsschwester der Göttin Mari als Herrscherin über Geburt und Tod, verehrt sowohl in Ägypten, Kanaan, Syrien, Phönikien
als auch in Griechenland. Im Tempel zu Jerusalem wurde Anath über Jahrhunderte - neben dem Gott EI - in der Gestalt der Himmelskönigin
Aschera (verbunden mit der Tempelprostitution der weibmännlichen "Kedeshim"-Priester) verehrt. In den Ugarit-Texten (1929 im syrischen
Ras Schamra gefundenen Keilschrifttafeln mit Bezug auf die dort gelegenen, antiken Hauptstadt Kanaans, Ugarit) werden u.a. die damaligen, primitiven
Opferriten für die Göttin Anath beschrieben, wobei dieselbe durch das Blut von Männern befruchtet wird und nicht durch deren Samen.
Denn die kultische Verehrung der Anath geht bis in die Jungsteinzeit zurück, als eine Vaterschaft noch unbekannt war und - wie wir inzwischen
wissen - Blut als die einzige Substanz galt, die Leben übertragen konnte. In den mythischen Überlieferungen heißt es u.a. (in
freier Übersetzung): "Gewalttätig zerschmettert sie und weidet sich daran, Anath tötet sie und starrt sie an - ihr Sinn jubelt
in Freude, denn sie taucht ihre Knie in das Blut der Soldaten, ihre Lenden in den Lebenssaft der Krieger, bis ihr das Schlachten in dem Haus,
das Zerhacken auf den Tischen genügt". Und wie bei der bereits beschriebenen mexikanischen "Herrin des Schlangengewandes", die aus dem Genitalblut Quetzalcoatls
neues Leben wieder erschuf, hing auch Anath die abgeschnittenen Glieder ihrer Blutopfer an ihre Ziegenfellschürze, der Aigis. Als die Göttin nach Griechenland kam, wurde sie zur Muttergöttin Athene, mit der Aigis (Ägäisches Meer!)
jetzt als Brustschild aus Ziegenfell, verziert mit Orakelschlangen - die Athener verehrten sie als heilige Jungfrau, Athene Parthenia im Parthenon,
ihrem noch heute bestaunten "Jungfrauentempel". Gleichzeitig sind wir mit diesen Überlieferungen jedoch auch im Labyrinth der griechischen
Mythologie angekommen, wo die jahrtausendelangen Auseinandersetzungen zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip dargestellt worden
sind und zwar in einer unglaublichen Vielfalt und Gestaltungsdichte - besonders auch bezüglich des ewigwährenden "Mythos Kastration".
Denn es gibt überaus viele Kastrationsmythen in den griechischen und römischen Götterwelten - diesmal jedoch im Sinne eines Raubes
der Genitalien als Symbol der sieghaften Männlichkeit: man (Mann!) war sich seiner (Samen-)Rolle in der Reproduktion bewußt geworden.
Denken wir nur an den Mythos der Uranos-Entmannung durch seinen Sohn Kronos, festgehalten in der Theogenie des antiken griechischen Chronisten
Hesiod. Danach kastrierte Kronos, Sohn des Himmels und der Erde, seinen Vater Uranos mit einem Messer und schleuderte seine Hoden ins Meer. Sie
trieben im aufgewühlten Schaum ihres eigenen Samens davon und daraus wurde Aphrodite geboren, die Göttin der sexuellen Liebe (Aphrodites
Sohn Eros wurde zum Gott der emotionalen Liebe). Später entstand aus ihrer Verbindung mit dem androgynen Gott Hermes die berühmte zweigeschlechtliche
Gottheit Hermaphroditos sowie aus ihrer Verbindung mit dem Gott Dionysos die Gottheit Priapos, dessen männlich-körperliche Merkmale
unbestreitbar waren und sich in permanenter Erektion befanden - sozusagen als die Personifizierung des abgeschnittenen Glieds (Phallus-Kult der
Antike). Auch Aphrodites Geliebter Adonis (griechische Version des semitischen Adonai bzw. des kanaanitischen Tammuz) wurde kastriert - derart
wurde die "Jungfrau" Aphrodite ("Himmlische Aphrodite") zur Herrscherin der frühen griechischen Mythologien kastrierter
Götter. Ebenfalls hinein paßt die Kastration des ältesten Sohnes des Uranos durch gleichfalls Kronos - im römischen Pantheon
ist noch die Kastration des Saturn durch Jupiter erwähnenswert. Ebenso die Tatsache, daß Blindheit und abgeschnittene Haare als mythologische
Metaphern der Entmannung gelten. Die Schreiber der Bibel nannten den Penis "eine geschrumpfte Sehne", die "auf einer Höhlung
des Oberschenkels liegt": Das war die "Sehne", die Jakob im Kampf mit "einem Mann, der Gott war", einbüßte
(Seth-Mythos ägyptischen Ursprungs). Zurückkommend auf die in der Bronzezeit über Jahrtausende entstandenen Fruchtbarkeitskulturen um die Große
Göttin, darf auch der im sumerischen Kleinasien, in Phrygien rund um Hierapolis angesiedelten Kult um Kybele, die Große Göttermutter
vom Berg Ida (Magna Mater Deum Idae) nicht unerwähnt bleiben. Das damit zusammenhängende Fruchtbarkeitsbrauchtum, vergleichbar mit dem
griechischen Artemis-Kult, verbreitete sich - besonders nach der triumphalen Verbringung der Kybele von Phrygien nach Rom im Jahre 204 v. Chr.
- im gesamten römischen Weltreich jener Tage, nicht zuletzt durch das ungezügelte Zutun verschiedener bizarrer Kaiser wie Nero, Caligula
und Caracella. Caesars Nachfolger Augustus baute seinen Palast ihrem Tempel auf dem Vatikanhügel - dort wo sich heute der Petersdom befindet
- gegenüber und betrachtete seine Gattin, die Kaiserin Livia Augusta, als irdische Inkarnation der Kybele. Spätere Kaiser wie Heliogabal
und Caligula wollten die Gestalt der Großen Göttin dann selber darstellen. Der Kult selber geriet vor allem durch die in Frauenkleidern auftretenden, kastrierten Weibmann-Priester, Galli genannt,
zu einem riesigen religiösen Spektakel und nicht zuletzt beim Frühlingsfest geriet auch das Volk außer Rand und Band. Es wurden
ekstatische Zeremonien bis zum Exzeß durch- bzw. aufgeführt. Dabei wurde die Kastration mit wahrer Inbrunst betrieben, und die Priester
- und mit ihnen viele Gefolgsleute - entmannten sich dabei selber, warfen ihre Genitalien auf den Umzügen in die Häuser, deren Besitzer
sie daraufhin mit weiblicher Kleidung ausstatten mußten. Dieser Kastrationsmythos wurde auf den entmannten Hohepriester der Großen
Göttin Kybele, Attis genannt, zurückgeführt, der wegen seiner Untreue zur Strafe "impotent" gemacht werden sollte. Der
Attis-Kult begleitete den Kybele-Kult, und beide haben das frühe Christentum stark beeinflußt. Die Kirchenväter waren da jedoch
ganz anderer Meinung, und der Heilige Augustinus (354-430 n. Chr.) nannte Kybele in seinem Standardwerk "Vom Gottesstaat" sogar eine
"Hurenmutter", "die Mutter nicht der Götter, sondern der Dämonen". Den Römern selbst war lange Zeit nur die
syrische Ursprungsform - und diese eher als Kuriosität - bekannt, ähnlich dem Erscheinungsbild der Hare Krishna-Jünger mit ihren
bunten Gewändern im heutigen Straßenbild. Als der Kult sich jedoch über das gesamte römische Reich ausbreitete, änderte
sich auch in Rom seine Ausgestaltung, speziell bezogen auf die Kastrationszeremonien. Wurden die Kastrationen bei lärmender, ekstatischer
Musik und Gesang anfänglich mit dem Zeremonienschwert in einem gezielten Schnitt durchgeführt, so wurden in späteren Zeiten die
Techniken mit scharfkantigen Klemmen, zur alleinigen Entfernung von Hoden und Hodensack ausgeführt. Diese Prozeduren verliefen immer sehr
blutig, vor allem wenn auch das Glied mitentfernt wurde. Oft traten tödliche Infekte der nun erheblich verkürzten Harnröhre auf
bzw. war - wie von den kastrierten Eunuchen-Priestern überliefert - eine dauernde Blasenschwäche die Folge. Nicht unerwähnt bleiben
darf auch der Umstand des damals üblichen Sklavensystems, woraus - speziell im mediterranen Raum - viele Ideen und Praktiken der Entmannung
entstanden: vor allem Besiegte und Gefangenen, Tote wie Lebendige, wurden ihrer Genitalien als Symbol der sieghaften Männlichkeit beraubt.
Aber auch in späterer Zeit war das Entmannen von Kriegsgefangenen (bis in dieses Jahrhundert hinein), von Sklaven, Sträflingen, Bergarbeitern,
Dienern (speziell die alleinstehender Damen bzw. Kurtisanen), Sängern, Lustknaben, hohen Beamten, Lehrern und Erziehern üblicher Brauch
und Sitte - der rituelle Aspekt wich immer mehr dem "praktischen". War das Blut der Kastration früher das Symbol der (männlichen)
"Fruchtbarkeit", so wurde es im patriarchalischen Verständnis jetzt zur Besiegelung der (männlichen) Unfruchtbarkeit - andere
Zeiten, andere Sitten..... Zurückkommend auf den Attis-Kult sei nochmals vermerkt, daß derselbe das frühe Christentum überaus
stark beeinflußt hat - es geht dies vor allem aus der übereinstimmenden Symbolik hervor. Hierbei nahmen die Römer Attis vor allem
an, weil sie Kybele als nationale Göttin ansahen und dabei eine Tradition aus der Frühzeit Roms aufrechterhielten. In diesem Verständnis
war Attis ein Sohn der irdischen Inkarnation der Großen Göttin, der Jungfrau Nana, die ihn auf dem Wege der Parthenogenese (Jungfrauengeburt)
empfangen hatten - als sie einen Granatapfel aß. Er war ein typischer "Gott ohne Vater", der Sohn der Jungfrau, und wuchs auf,
um Opfer und Retter zu werden, getötet für das "Heil der Menschheit": seine Körperlichkeit wurde von den ihn Anbetenden
in Form von Brot gegessen. Er wurde von den Toten erweckt als "der Höchste Gott, der das Universum zusammenhält" und sein
Erscheinen mit den Worten "Heil, Bräutigam, Heil, neues Licht" angekündigt. Und, wie vorher beschrieben seine Priester (man
nannte sie "Herren, die halbe Frauen waren"), wurde auch er kastriert und an einer Pinie gekreuzigt, "damit sein (heiliges) Blut
niederfloß, um die Erde zu erlösen" - also wieder die gleiche Blut-Symbolik aus den frühen Zeiten der Menschheit. Die Passion (Leidensgeschichte) des Attis wurde am 25. März gefeiert, genau neun Monate vor der Sonnenwendfeier am
25. Dezember: der Zeitpunkt seines Todes war gleichzeitig der Zeitpunkt seiner Empfängnis bzw. Wieder-Empfängnis. Um den Moment zu markieren,
an dem Attis in seine Mutter eintrat, um seine Wiedergeburt zu zeugen, wurde sein Baum-Phallus in die geheiligte Höhle getragen. Der Tag
von Attis´ Tod war der Schwarze Freitag oder der Tag des Blutes - sein Bild wurde zum Tempel gebracht und an den Phallusbaum gebunden, begleitet
von den "Schilfträgern" (kannophori) mit Schilfzeptern, die wiederhergestellte Phalli und damit neue Fruchtbarkeit symbolisierten.
Während der alljährlich zurückkehrenden Zeremonien kastrierten sich die Eingeweihten, in Nachahmung des kastrierten Gottes, selbst
und zeigten ihre abgeschnittenen Genitalien der Göttin, gemeinsam mit den denen des gleichfalls kastrierten Stieres, der im Ritual des Tauroboliums
geopfert worden war. Das Taurobolium war im Kybele-Kult der Höhepunkt ihrer Verehrung: die Taufe mit dem Blut eines heiligen Stieres, der
ihren sterbenden Gott und Geliebten Attis repräsentierte. Demnach war die Mutter von Attis, die jungfräuliche Nana, in Wirklichkeit
die Große Göttin selbst - so wie Ianna bei den Sumerern, Mari-Ana bei den Kanaanitern oder Nanna, die Mutter des sterbenden Gottes
Baldur im Norden Europas usw. - die Mythologien wiederholen sich weltweit. Während der Passion wurden all jene vorerwähnten männlichen Relikte in die heilige Höhle der Großen
Mutter, im Tempel der Kybele und Attis, gebracht. Damit starb die Gottheit Attis, wurde beerdigt und stieg dann - immer im Verständnis seiner
Anhänger - in die Unterwelt hinab, um am dritten Tag von den Toten wiederaufzustehen. Seinen Anbetern wurde gesagt: "Der Gott ist errettet, und auch ihr werdet von euren Mühen erlöst werden". Dieser Tag der Auferstehung war ein regelrechter Karnevalstag, Hilaria oder Tag der Freuden genannt - die Menschen tanzten
in den Straßen, verkleideten sich, alberten herum und vergnügten sich mit flüchtigen Liebesabenteuern - wie auch heute noch bei
den weltweiten Karnevalsveranstaltungen. Die Christen begingen auch später noch den Ostersonntag mit einem Karnevalsumzug, der sich nachgewissenermassen
aus dem Mysterienkult des Attis herleitete: wie Christus entstand somit Attis, wenn "die Sonne zum ersten Mal den Tag länger macht als
die Nacht", als Sonnengott somit. Daß das Abschneiden der Krawatte der Männer am heutigenWeiberfastnacht auf die vorbeschriebene
Kastration-Symbolik zurückzuführen ist, dürften sich jedoch die wenigsten Menschen realisieren....! Diese Stellvertretungs-Symbolik
findet sein Äquivalent auch in der Sorge bereits der biblischen Patriarchen um die Verwundbarkeit des Penis, und diese vermieden deshalb
jede direkte Erwähnung, um nicht böse Geister auf ihn zu ziehen: Das Alte Testament verrät eine besondere Furcht vor der Macht
der Frauen über den Penis. Gottes Gebot befahl, sogar einer Frau, die die Genitalien eines Mannes ergriff, die Hand abzuhacken, selbst wenn
sie es täte, um ihren Mann gegen einen Feind zu verteidigen. (Deuteronomium 25, 11-12) Wir haben hier bezüglich des Attis-Kults derart weit ausgeholt, um aufzuzeigen, wie sehr das frühe Christentum
auf die alten Mysterienkulte der Antike Bezug genommen hat - wie bereits vorgängig erwähnt, fand in den späteren Zeiten des Christentums
- und zwar vorwiegend von den Evangelisten ausgehend - eine Umschreibung, ja Verfälschung aller dieser jahrtausendealten, mystischen Grundlagen
statt. Gerade in heutiger Zeit ist die Natur-Kultur-Diskussion im religiös-geschichtlichen Sinne wieder aufgeflammt, und es melden sich viele
Dissidenten zu Wort - denken wir in deutschen Gefilden beispielsweise nur an Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein mit seinem frühen Werk "Jesus
Menschensohn" (1972) sowie die kirchlichen Kritiker Eugen Drewermann, Jutta Heinemann und Hans König. Die bereits erwähnte amerikanische
Feministin Camille Paglia sagt zu dieser Thematik: "Das Buch der Genesis ist eine männliche Unabhängigkeitserklärung von den uralten Mutterkulturen.
Am Anfang war nicht das Wort, sondern die Natur (d.h. das Weib). Deren unermeßlicher und unergründlicher Charakter wurde nicht von
einem "Männer"-Gott verkörpert, sondern durch die Fruchtbarkeit einer "Großen Mutter". Es dürfte deshalb nicht verwundern, daß es eines der am besten gehüteten Geheimnisse der frühen Christenheit
war - mittels einer Aufforderung an den speziellen inneren Kreis der Eingeweihten - sich selbst zu entmannen, um durch diesen Beweis der Keuschheit
größere Gnade zu erlangen. So heißt es im biblischen Kontext (Matthäus 19, 22): "Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig..... manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches
willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es" (Hierzu auch Kolosserbrief 3,5 und Jesaia 56,3). Einer der dies erfasste, war der berühmte Kirchenvater Origenes von Alexandrien (185-245 n. Chr.), der das Problem
der vom Christentum gepredigten Enthaltsamkeit ein für allemal durch Selbstkastration löste und damit nicht nur seinem Sexualleben ein
Ende setzt, sondern, aufgrund einer orthodoxen biblischen Einstellung zu Männern mit verletzten Genitalien (wg. jüdischen Beschneidungspraktiken),
auch jeder Möglichkeit einer späteren Heiligsprechung. Und in der Apologie (Rechtfertigung) des christlichen Philosophen Justinus (100-165
n. Chr.), bekannt durch seine Synthese von griechischer Philosophie und frühem Christentum, ist mehrmals festgehalten, daß die römischen
Ärzte von gläubigen, christlichen Männern belagert wurden, die nach der Operation verlangten. Der lateinische Kirchenschriftsteller
Tertullian (160-220 n. Chr.) riet dazu, Christenknaben vor der Pubertät zu entmannen, damit ihre "Tugend" dauerhaft geschützt
sei ("castrati" - Thematik später). Interessant in diesem Zusammenhang dürfte der Umstand sein, daß im gleichen geschichtlichen
Zeitraum Roms (Zeitalter des "Cäsarenwahns") Kaiser Nero den entmannten Sklaven Sporum heiratete. Und vom Kaiser Heliogabal (218-222
n. Chr.) wurde berichtet, daß er eine Autokastration (Selbstkastrierung) versucht hat und - wie etliche Kaiser vor bzw. nach ihm - befahl,
daß ihm der Respekt einer Kaiserin (sprich Große Mutter) zuteil werden sollte. Auch sein Nachfolger Caligula trat als Venus in Frauenkleidern
und mit goldenem Bart öffentlich auf und zelebrierte zügellose, speziell gleichgeschlechtliche Exzesse. Die römischen Kaiser des
3. und 4. Jahrhundert n. Chr. sodann hatten oft als Minister, Erzieher und auch Wissenschaftler kastrierte Männer, die gelegentlich so mächtig
wurden, daß sie ihre Herren stürzen konnten: so war beispielsweise Narses, der Feldherr Kaiser Justinians (der von der Sodom- und-Gomorrha-Mythe!)
ein Eunuch. Und unter den Perserkönigen des 5. bis 3. Jahrhunderts v. Chr. soll sich - so die Überlieferung - kaum einer finden lassen,
der nicht von einem Eunuchen umgebracht worden ist. Freuds Oedipus-Komplex läßt grüßen! Wir wollen schließlich noch darauf hinweisen, daß in jenen antiken Zeiten auch vielerlei unblutige Kastrationstechniken
angewendet wurden, so beispielsweise die Hoden mittels Schierlingsgift, Hyazinthenzwiebeln oder Fledermausblut zu vertrocknen bzw. auch - speziell
in römischen Zeiten - das mechanische Zerquetschen der Hoden männlicher Säuglinge (nach einem heißen Bad) zwischen den Fingern.
Ein Ausbund an Grausamkeit hinsichtlich des Kastrationsvorganges in antiken Zeiten ist sodann überliefert von den alten Ägyptern, welche
Tausende von Knaben, meist Kinder Kriegsgefangener oder armer Leute, von koptischen Mönchen (!) haben kastrieren lassen. In einem Bericht
über die Tortur heißt es: "Der Operateur bindet mit feinen festen Wollfäden die Geschlechtsteile ab und schneidet unter der Ligatur
durch. Die Blutung wird mit Asche, siedendem Öl, rotglühendem Eisen gestillt. Dann wird in die Röhre eine grobe Metallsonde eingeführt,
die durch einen Gürtel gehalten wird, und die Opfer werden bis zum Nabel in den heißen Nilsand eingegraben, worin sie 5-6 Tage bleiben.
Die eiternde Wunde braucht bis zu ihrer Heilung mehrere Monate. Sehr häufig tritt dauernde Inkontinenz ein. Nach 3 Monaten wurden die Operierten
verkauft." So grausam wurde der Kastrationsvorgang also auch ausgeführt - die Manipulation der Ware Mensch für irgendwelche
Zwecke ist im Mythos Kastration offenbar mehr als grenzenlos. Diesbezüglich wollen wir an dieser Stelle noch auf das indische Phänomen der über ein Million "Hijras"
aufmerksam machen: eine Kaste von "Frauen, die keine sind", wie der Volksmund sagt. Die meisten von ihnen wurden als Kinder bzw. junge
Männer innerhalb der community gewaltsam kastriert - als Erbe eines archaischen Fruchtbarkeitsbrauchtums, das sich in die heutige Zeit hinübergerettet
hat. Die "Hijras" sind im körperlichen Sinne Eunuchen und werden gleichzeitig verachtet und wegen ihrer angeblich magischen Kräften
gefürchtet. Sie gehen hauptsächlich der Prostitution nach und treten auf Hochzeiten mit Musik und Gesang auf - um die Götter der
Fruchtbarkeit milde zu stimmen. Die archaische "Hijras"-Thematik ist in den westlichen Medien neuerdings auf unerwartet großes
Interesse gestoßen (es gibt u.a. einen TV-Dokumentarfilm mit Selbstkastrierungsszenen!) - eine wegweisende, für europäische Begriffe
sensationell zu nennende Reportage über die Hiyras erschien im Jahre 1983 im deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (41/1983).
Diese traditionelle Wochenzeitschrift hat sehr viel über die Transsexualitäts-Problematik publiziert - die bekannte TS-Rechtsanwältin
Maria Sabine Augstein war bis Ende der 70er Jahre der (erstgeborene) Sohn des Spiegel-Herausgebers Rudolf Augustein. Zurückkommend auf die christliche Sicht des Kastrationsvorganges in den darauf folgenden Jahrhunderten des "dunklen
Mittelalters", sei noch die Vergeistigung desselben durch den berühmten Mönch und Schriftgelehrten Pierre Abélard (1079-1142
n. Chr.), der vom Onkel seines Geliebten Heloise gewaltsam entmannt wurde, erwähnt. Es heißt in einem Brief an Heloise, zwölf
Jahre danach "Denke daran, daß es Gottes Gnade für uns war .... die Weisheit, durch die er das Böse selbst benutzte
und von unserer Gottlosigkeit (Geschlechtsverkehr!) gnädig absah, so daß er durch eine vollkommen gerechtfertigte Wunde in einem einzigen
Teil meines Körpers zwei Seelen (!) heilen konnte .... Als mich daher die göttliche Gnade von jenen schändlichen Gliedern eher
reinigte (!) als beraubte, die wegen ihrer Unanständigkeit die "Schamteile" genannt werden und keinen eigenen Namen besitzen, was
tat sie daher anderes als eine schmutzige Unvollkommenheit entfernen (!), um vollkommene Reinheit zu bewahren? Stimme ein in meine Danksagung,
Du, die sowohl in der Schuld als auch in der Gnade zu meiner Partnerin wurdest." Die christliche Gehirnwäsche der Sexualität als Sünde ist hier - jedenfalls in jenen "dunklen"
Zeiten - mehr als offensichtlich. Aber auch in den späteren Zeiten der Renaissance und der Aufklärung blieb hinsichtlich des Kastrationsvorganges
im kirchlichen Verständnis die Bigotterie aufrechterhalten - frei nach dem auch in anderen christlichen Gefilden üblichen Grundsatz:
"Der Zweck heiligt die Mittel". Denn obwohl im besagten Mittelalter die "Sünde" überall vermutet wurde (die Strafkataloge
der damaligen kirchlichen Bußbücher legen ein beredtes Zeugnis ab...), durfte sie dennoch nicht sichtbar werden, vor allem nicht in
den Klöstern und Kirchen. Mönche und Nonnen durften nicht zusammenkommen und einen Blick aufeinander werfen: sie wurden bei Prozessionen
sogar durch aufgehängte Tücher von- einander getrennt und in den Kirchen durften die Nonnen nicht singen (um die Klosterbrüder
nicht vom Gebet abzulenken....). Deswegen wurde auch die Sitte eingeführt, kastrierte Knaben als Sänger bei kirchlichen Veranstaltungen
einzusetzen - die Geburtsstunde der zahllosen "castrati", welche in den darauf folgenden Jahrhunderten - jedoch speziell im 18. Jahrhundert
des Barocks - zu den Superstars der Opernbühnen Europas wurden. Der Volksmund allerdings sprach verächtlich von Kapaunen. Zu dieser Thematik erschien im Spiegel 50/1990 ein überaus interessanter Beitrag mit dem bezeichnenden Titel "Scheinheiliger
Kunst-Griff". Darin heißt es: Jahrhundertelang waren Kastraten die Stars der europäischen Kultur. Tausende von Knaben ließen sich für
die Musik verstümmeln. Die außermusikalischen Nebenwirkungen des einschneidenden Tuns waren enorm: geringe Körper-, aber besonders starke
Kopfbehaarung, durch Hypertropie der Brustdrüsen ungewöhnliche Ausdehnung der Brustdrüsen, deutliche Neigung zu Verfettung, unnatürlich
starkes Wachstum der Extremitäten und schließlich in den meisten Fällen Impotenz. Nur ein Zehntel der Geschundenen war gut genug, um in die renommierten Ensembles als Choristen aufgenommen zu werden. Ganze
fünf von hundert Entmannten schafften den Durchbruch zur effeminierten Elite. Wie bereits zu Anfang dieser Abhandlung vermerkt, ist vor allem die Vita der berühmteste aller "castrati"
- Heldensoprane Farinelli (1705-1782), bürgerlich Carlo Maria Michelangelo Nicola Broschi, sowohl vor als nach seinem Tod zum regelrechten
Faszinosum geworden - mit Opern, Theaterstücken, Biographien und Romanen in jeder Menge. Ein sehr gutes Buch diesbezüglich ist das Sachbuch
"Engel wider Willen - die Welt der Kastraten" (1993) von Hubert Ortkemper, während die holländische Autorin Margriet de Moor,
mit ihrem Roman "Der Virtuose" (1994) über den Belcanto-Kastraten Gasparo, das heutige, kulturelle Interesse maßgeblich angefacht
hat. Aber auch die modernen (deutschen) Countertenöre wie Jochen Kowalski bzw. Altisten wie Axel Köhler haben viel zum derzeitigen Farinelli-Fieber
beigetragen. Obwohl somit die "castrati" Operation (nur der Hoden also) jahrhundertelang tausendfach ausgeführt wurde,
sind bis heute darüber nahezu keine Beschreibungen überliefert wurden - auch hier wieder ein überaus männlich-patriarchalisches
Verdrängungssyndrom. In einem 1707 erschienenen "Traité des Eunuques - Abhandlung über die Eunuchen" schreibt der französische
Autor Ancillon: "Der Knabe wurde mit Opium oder anderen Narkotika betäubt und einige Zeit in ein sehr heißes Bad gesetzt,
bis er in einem Stadium ziemlicher Gefühllosigkeit war. Dann wurden die Kanäle, die zu den Hoden führen, durchgeschnitten, so daß
die Hoden im Laufe der Zeit schrumpften und verschwanden". Und in der 1841 in Leipzig erschienenen "Encyklopädie der gesamten Medizin" heisst es unter dem Stichwort
Castration: Wir sehen hier bereits die medizinische Indikation durchkommen, welche nicht zuletzt auch bei den für Männer geschlechtsspezifischen
Tumorerkrankungen, wie dem Hoden- und dem Prostatakarzinom, den entscheidenden Aspekt darstellt. Während das Hodenkarzinom das männliche
Geschlecht im jugendlichen Alter treffen kann (u.a. besonders beim intersexuellen Phänomen der Testikulären Feminisierung bzw. des Hodenhochstands)
ist das Prostatakarzinom (Krebs der Vorsteherdrüse) ganz vorwiegend eine Erkrankung im letzten Lebensabschnitt des Mannes. In der Folge ist
für Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren das Hodenkarzinom die häufigste Krebstodesursache, während das Prostatakarzinom
(im generellen Sinne die zweithäuftigste Krebsart nach dem Lungenkarzinom) ab dem sechzigsten Lebensjahr zur häufigsten Krebsursache
geworden ist. Beim Hodenkarzinom wird durch die Entfernung der erkrankten Hoden sowie über ein intensive, mehrmonatige Chemotherapie eine
hohe Heilungsrate (bis zu 95%) möglich. Für den Prostatakrebs ist dagegen vor allem das Stadium der Erkrankung von ausschlaggebender
Bedeutung: der Tumor darf die Kapsel der befallenen Vorsteherdrüse noch nicht durchbrochen und dadurch eine Metastasierung hervorgerufen
haben. Die dann erforderliche Hormontherapie zwecks Ausschaltung der männlichen Hormone (mittels Östrogenen und Antiandrogenen) führt
damit zu einer sogenannten chemischen Kastration (mit erheblichem Potenzverlust verbunden). Wichtig für diese Art der medizinischen Indikation
dürfte allerdings immer der Umstand bleiben, daß hier offenbar erkrankte Organe entfernt bzw. stillgelegt werden. Antiandrogene, speziell
Androcur, werden heute auch besonders im sexualstrafrechtlichen Sinne eingesetzt. Der bekannte Sexualwissenschaftlicher Prof. Volkmar Sigusch
sagt hierzu: "Cyproteronacetat (Wirkstoff-Bezeichnung) ist eine medizinische Waffe schwersten Kalibers" sowie "Kastration
und psychochirurgischer Hirneingriff sind demgegenüber inhumane Torturen(!), die operativ die Integrität der Person irreversibel verletzen"
(Sexualmedizin 1/1979). Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Mythos Kastration lebt in der Folge hauptsächlich von der Tatsache, daß
intakte Geschlechtsorgane entfernt bzw. stillgelegt werden - wie wir das bereits bei den beschriebenen rituellen und religiösen Kastrationsvorgängen
gesehen haben. Es sollte deshalb nochmals darauf hingewiesen werden, daß in früheren Zeiten, speziell im Mittelalter, die Entmannung
nicht nur als Bestrafung bei Vergewaltigung, Homosexualität, Pädophilie, Sodomie und Ehebruch angewandt wurde, sondern vor allem auch
gegen Lepra, Gicht, Hautkrankheiten, Epilepsie und Tobsucht. Angeblich soll bereits der antike Arzt Hippokrates ("hippokratischer Eid"
der heutigen Ärzteschaft) angeregt haben, die Gicht durch Kastration zu kurieren. Zurückkommend auf die Kastrationsvorgänge im 18. und 19. Jahrhundert sei noch verwiesen auf die Entmannungen aus
religiösen Gründen, welche besonders von der im Jahre 1775 gegründeten russisch-rumänischen Sekte der Skopzen bekannt geworden
sind. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ließ die russische Regierung sogar eine spezielle Studie erstellen (Pelikan, 1876),
weil die Sekte sich in bedrohlicher Weise über das Land ausbreitete. Es handelte sich dabei um eine Wiederbelebung der rituell-religiösen
Kastration durch fanatische Anhänger der vorgenannten Skopzen-Sekte (sie nannten sich selber Skoptsi, "Kastrierte", aber auch "Volk
Gottes"), wobei diese der Meinung waren, daß die Entfernung ihrer Genitalien ihnen weitreichende spirituelle Kräfte verleihen
würde. Der "verrückte Mönch" Rasputin, Berater der Zarenfamilie, war Mitglied der Skopzen-Sekte, und da Rasputin wegen
seiner Frauengeschichten vor allem Furore machte, wollten nur wenige Zeitgenossen glauben, daß er ein Eunuch war. Die Macht Rasputins über
seine weiblichen Anhängerinnen und die Zarenfamilie war jedenfalls - wie bei Farinelli - eine seltsame Mischung aus spiritueller und sinnlicher
Besessenheit. Es sei diesbezüglich abschließend noch festgehalten, daß die Skopzen, jedenfalls bis ins 20. Jahrhundert hinein,
massenhaft das "kleine heilige Siegel" (Entfernung der Hoden) und noch mehr das "große heilige Siegel" (Entfernung von
Hoden und Penis) praktizierten. Heute leben in Rußland die sogenannten "geistlichen" Skopzen, die nur noch strenge Askese fordern,
ähnlich der Mönchssekte auf dem griechischen Berg Athos. Ein interessanter, heutiger Aspekt hinsichtlich des Kastrationsvorganges aus
religiösen Gründen hat sich übrigens gezeigt, als im Jahre 1997 am Osterhimmel der Komet Hale-Bopp erschien. In Kalifornien folgten
dem Sektenchef Marshall Applewhite auf seiner Reise zu einem "Höheren Ort" - angeblich in einem UFO am Schweif des Kometen - 21
Frauen und 17 Männer in den Tod: sie machten Selbstmord mit dem starken Betäubungsmittel Phenobarbital. Bei der anschließenden
(irdischen!) Obduktion wurde festgestellt, daß Applewhite und die meisten Männer der Sekte kastriert waren. Sie "verließen
lächelnd ihre Container", wie sie ihre Körper nannten, um "mit einem UFO eine intergalaktische Reise zum Himmelstor"
anzutreten...! Es dürfte jetzt an der Zeit sein, darauf hinzuweisen, daß - neben der vorgängig geschilderten Kastrations-Phänomene
des Mannes - es auch für die weibliche Geschlechtlichkeit uralte Vorstellungen, von der Antike bis heute, speziell der Gebärmutter gegeben
hat. Diese galt als Wanderorgan, das ruhelos im Körper umherziehen würde oder gar als Lebewesen, das gefüttert und beschwichtigt
werden mußte - sozusagen als "Quelle von tausend Übeln" und die Phantasie der Menschen, besonders der Männer, schon
immer beschäftigend. Im "finsteren Zeitalter der Operationsfurore", dem späten 19. Jahrhundert, hielten die Ärzte Operationen
an Gebärmutter und Eierstöcken sogar für eine geeignete Therapie zur "Heilung" der "weiblichen Hysterie". Aber
auch zur Bekämpfung von "Melancholie, Liederlichkeit oder manischen Erregungen" wurde von den vorerst männlichen Frauenärzten
eine Kastration durch Entfernung der Eierstöcke und/oder der Gebärmutter, bzw. deren operativer Verlagerung, herbeigeführt. Hierbei
kamen jahrhundertealte Mythen und Vorurteile über den Charakter der Gebärmutter zutage, die bei der späteren Entwicklung der modernen
Gynäkologie immer mitschwangen, sozusagen als "Ausgeburt" des "siegreichen" männlichen Prinzips. "furchtsam waren und ihr Leben unrichtig verbrachten, wurden bei der zweiten Entstehung in Weiber' umgestaltet." Sie besaßen daraufhin eine Gebärmutter, ein "Lebewesen mit der innewohnenden Begierde nach Gebären eines Kindes", so schrieb er. Und weiter "Wenn nun in der Blüte ihres Lebens lange Zeit vergeht, ohne daß sie eine Frucht bringen, so führt
dies zu einem Zustand schwer zu ertragender Unzufriedenheit, er (der Uterus!) zieht überall im ganzen Körper umher, versperrt die Durchgänge
der Luft und läßt keine Luft aufnehmen. Dieser Zustand führt die Weiber in die äußerste Ausweglosigkeit und mannigfache
Krankheiten" (damit meinte er Herzschmerzen, Angstzustände, Kopfschmerzen, Schwinden der Sinne oder auch Krämpfe). Für
die alten Griechen war Frau-Sein somit sozusagen Strafe (der Götter) und Schicksal, nicht zuletzt nach den jetzt entstandenen männlich-patriarchalische
Vorstellungen der Fortpflanzung. Denn bereits der Samen allein, so wurde damals verkündet (u.a. vom Philosophen Aristoteles), trage schon
das fix und fertig angelegte, winzige Kind in sich, das bei der Zeugung lediglich in die Gebärmutter "abgelegt" werde. Die Gebärmutter
war (wieder nach Hippokrates) das Organ der "Einbildung", da er das Bild des Mannes empfangen würde, und wenn unpassende Bilder
in die Gebärmutter hineingerieten, konnte es zu hysterischen "Einbildungs"-Leiden kommen..... In großen Teilen der europäischen Volkskultur blieb - wie in der griechischen Auffassung des "Wesen im Wesen"
- die tabuisierte Gebärmutter lange lebendig - nicht nur als Teil eines Körpers, sondern als eigenständiges, "lebendiges"
Geschöpf, das (nur) vom Körper der Frau beherbergt wurde. Und es gab ausgeklügelte Vorschriften zur Fütterung oder Beschwichtigung
dieses "Tieres", wenn es im erregten Zustand Koliken oder Anfälle hervorrief. Hinzu kam die sprichwörtliche (männliche)
Abscheu hinsichtlich des Menstruationsbluts - dieses jetzt nicht mehr als Zeichen der Fruchtbarkeit, sondern als besonders schreckliches Produkt
jener ominösen Gebärmutter, teils mit jahrtausendealten Tabus behaftet. So waren bereits im Alten Testament genaue Regeln aufgeführt,
wie sich menstruierende Frauen - meistens bei der Zubereitung von Speisen - zu verhalten hatten. Auch bei vielen Naturvölkern gelten ähnliche
Verhaltensvorschriften mit teilweise völligem Ausschluß aus dem gesellschaftlichen Leben. Noch schlimmer wurde es im Mittelalter, als - nach der Lehre der (ausgeuferten) Theologie - die körperlich-seelische
Minderwertigkeit und Schwäche der Frau noch mit der moralischen Minderwertigkeit ergänzt wurde. Die Kirche lehrte hierbei: Weil Eva
den Mann vom Pfad der Tugend abgebracht hatte, mußte sie dafür mit Geburtsschmerz und Menstruation büßen. Hierzu sei vermerkt,
daß es in der gesamten Geschichte des Christentums immer Kirchenväter bzw. Strömungen gegeben hat, welche den Mißbrauch
von Frauen verteidigten und ihre Abscheu gegenüber der weiblichen Sexualität zum Ausdruck brachten, ja sogar die Überzeugung äußerten,
daß alle Frauen für die Ur-Sünde, die Tod und Verdammnis über die Menschheit brachte, Bestrafung verdienten. Der Apostel
Paulus sah Eva, als das Urbild aller Frauen, sogar als die allein Schuldige an (1. Timotheus 2,14). Als darauf in der Zeit der Hexenverfolgung
("Hexenhammer", 1484) dieses "Schuld-Prinzip" seinen perversen Höhepunkt erreichte und Millionen von Frauen - darunter
viele Hebammen und "weise Frauen" - auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, geriet das alte (weibliche) Heilwissen in Vergessenheit.
Dies nicht zuletzt als nach den gewaltigen religiösen und sozialen Umwälzungen der europäischen Renaissance, im Laufe des 17. Jahrhunderts
- im Zeitalter der Aufklärung - das eigentliche Geheimnis der Fortpflanzung, d.h. die Verschmelzung von Samen- und Eizelle, über die
Erfindung des Mikroskops (u.a. durch den Holländer Anthonie von Leeuwenhoeck) entdeckt wurde. Das weibliche (neue!) Ei und der Eierstock standen fortan im Mittelpunkt des (männlichen) Interesses und verdrängten
allmählich die Gebärmutter aus seiner zentralen Stellung. Noch im Jahre 1848 verkündete der berühmte Berliner Pathologe Rudolf
Virchow: "Das Weib ist eben Weib durch seine Generationsdrüse" (!) und die Menstruation wurde zur krankhaften Erscheinung, d.h.
die Gebärmutter funktionierte nach diesen neuen (männlichen) Vorstellungen nur in der Schwangerschaft und in der Stillzeit "normal". Nachdem die Operationen an Eierstöcken (noch lange - im Rahmen des Homologie-Modells der Geschlechter - als "weibliche
testiculi" bezeichnet) und Gebärmutter technisch beherrschbar geworden waren, weiteten sich ihre Anwendungsgebiete rasch aus. Die (chirurgische)
Entfernung der Eierstöcke und diverse Eingriffe zur Verlagerung oder Befestigung der Gebärmutter im Bauchraum wurden bald als Allheilmittel
gegen zahlreiche, vor allem nervöse Leiden gepriesen. Dazu gehörte auch die (weibliche) Hysterie, an der ein enormes, gesellschaftliches
Interesse aufgekommen war (wohl wg. "Suffragetten" - Frauenbewegung): Nur das unreife, unentwickelte Nervensystem der Frau - so hieß
es jedenfalls aus männlicher Sicht - würde zu hysterischen Reaktionen neigen. Der Arzt und Wissenschaftler Emil Kraeplin (1856-1926)
beschrieb Hysterikerinnen als "gleichgültig gegen fremdes Leid, rücksichtslos gegen ihre Umgebung" und als "Virtuosen
des Egoismus, die nicht selten in unglaublicher Weise ihre Umgebung tyrannisieren und ausbeuten". So manche Frau, die zu jenen Zeiten gegen
die überaus beengenden Rollenvorschriften der großbürgerlichen Gesellschaft - es war das puritanische "viktorianische Zeitalter"
- rebellierte, mag auf diese Weise für "krank" erklärt worden sein - TS-Analogien sind unverkennbar. Es dürfte deshalb nicht verwundern, daß in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Millionen von "hysterischen"
Frauen ohne viel Federlesens kastriert wurden - der hippokratische Eid wurde geradezu ins Gegenteil verkehrt. Besonders der französische
Arzt und Gynäkologe Charcot war für die Entfernung gesunder Eierstöcke, zwecks Behandlung hysterischer Symptome, berüchtigt.
Aber auch in den USA uferte die Entwicklung aus, nicht zuletzt bezüglich vieler Insassinnen von Irrenanstalten - noch 1906 klagte der amerikanische
Arzt Ely van de Warker über die vielen Ärzte, die die Eierstockentfernung als "Operation von der Stange" praktizierten: "Einige dieser Ärzte haben sich, als der Wahnsinn seinen Höhepunkt erreicht hatte, öffentlich damit
gebrüstet, daß sie in ihren Praxen bis zu zweitausend Eierstöcke entfernt hatten". "Die Eierstöcke einer Frau gehören dem Volke - sie - hat sie lediglich in Treuhandschaft. Ohne sie ist
ihr Leben nutzlos". Wir sehen: "Lebensborn"-Ideologie, "Mein Bauch gehört mir" - Kampfparole und ewig §218 - Diskussion
- alles nichts Neues unter der Sonne! In den heutigen Blickpunkt der Aufmerksamkeit geraten - wir leben im Medienzeitalter - sind neuerdings auch die jahrtausendalten
Rituale der Beschneidung junger Mädchen in vorwiegend islamischen Ländern. Nach Schätzung der UNO werden jährlich in über
28 Staaten auf dieser Welt mehr als zwei Millionen Frauen beschnitten, speziell in West- und Ostafrika, im Sudan und in Ägypten. Viele Frauen
werden bei diesen teilweise barbarischen Ritualen nicht nur verstümmelt, sondern auch unfruchtbar bzw. sterben an den Folgen. Oft kommt es
zu schweren Blutungen, Wundstarrkrampf und - vielfach als Spätfolgen - Blasen- und Niereninfektionen. Die Beschneidungsvorgänge umfassen
dabei normalerweise die Amputation der Klitoris sowie der kleinen und großen Schamlippen - bei der sogenannten pharaonischen Beschneidung
(auch Infibulation genannt) geht die Verstümmelung, oft durch Laien ausgeführt, jedoch noch bedeutend weiter: Von den äußeren
Genitalien bleibt praktisch nichts übrig. Nach der Ausschneidung der Klitoris und der kleinen Schamlippen bzw. die Entfernung der inneren
Schichten der großen Schamlippen werden die verbleibenden äußeren Ränder der großen Schamlippen so zusammengenäht
(u.a. mit Akaziendornen), daß nur eine wenige Millimeter große Öffnung verbleibt. Die Macht dieser Jahrtausend alten patriarchalischen
Traditionen fusst auf teilweise wirren Vorstellungen der weiblichen Sexualität, nicht zuletzt seitens der Clans der alten "weisen Frauen"
und der Hebammen. Einer unbeschnittenen Frau, mit intakten Genitalien somit, wird in diesem gesellschaftlichen Verständnis unersättliche
sexuelle Gier nachgesagt, die unweigerlich zur Prostitution führe. In Westafrika glauben viele Menschen, daß die Klitoris die Männer
impotent mache, giftig sei und sogar einen Mann töten könne. In vielen ländlichen Gebieten speziell Ägyptens und des Sudans
ist man/frau davon überzeugt, die weiblichen Genitalien müßten auch deshalb entfernt werden, damit sie der Frau nicht später
zwischen den Beinen baumeln würden. Die Bewertung der für die damalige Zeit revolutionären Freudschen Gedankengebäude in heutiger Zeit ist überaus
kontrovers: die Kritik daran hat jedenfalls massiv zugenommen. Dies nicht zuletzt, da Freud die Homosexualität als etwas im Grunde Krankhaftes
(eine Art Perversion) einordnet und - ganz im Stile eines "sexistischen Wiener Chauvinisten des 19. Jahrhunderts" (Zitat) - in Frauen "neidische", "verstümmelte"
Wesen sieht, die "einer anatomischen Tragödie" anheimgefallen sind, mit der Klitoris als einem "minderwertigen Organ",
mit einem Genital, das einer "Narbe" gleicht und "beim Weibe tiefe Minderwertigkeitsgefühle weckt" (alle Zitate Originalton
Freud!). Ebenso halten viele Kritiker Freuds Denken - nicht zuletzt aus wissenschaftlichen Gründen - für einen aussergewöhnlich
erfolgreichen Mythos auf dem Niveau von Pseudowissenschaften wie Astrologie oder Wunderheilung (besonders wg. seiner Libido-Theorie). Das Ganze
würde im Rahmen dieser Abhandlung jedoch zu weit führen - Analogien zwischen Freudschem Denken und islamischen Beschneidungsdogmen sind
jedoch festzuhalten. Vor allem der britische Philosoph Karl Popper hält Freuds Ansätze für grundsätzlich nicht falsifizierbar
und damit für unwissenschaftlich, denn wirkliche Wissenschaft zeichnet sich - Popper zufolge - gerade durch das Kriterium der Widerlegbarkeit
aus: die jeweils zugrunde liegende Theorie müsse erlauben aus ihr testbare Hypothesen abzuleiten, die gegebenfalls widerlegt werden können.
Dies treffe insbesondere für die von Freud installierten psychosexuellen "Entwicklungsmechanismen" der (männlichen) Kastrationsangst
bzw. des (weiblichen) Penisneids zu. Von den inzwischen feststehenden genetischen Aspekten der (männlichen) Homosexualität ganz zu schweigen
- es waren zu Anfang der neunziger Jahre vor allem die amerikanischen Wissenschaftler Simon LeVay, Robert Gorsky und Dean Hamer welche die biologischen
Grundlagen der (männlichen) Homosexualität zum Durchbruch brachten: sozusagen eine neue Revolution in der Sexualwissenschaft inszenieten. Mit den vorgehenden Ausführungen kommen wir nun zu sprechen auf die zu Anfang dieser Abhandlung vermerkten (westlich-)ideellen
Kastrationsgründe im Rahmen der in diesem Jahrhundert aufgekommenen, inzwischen fest verankerten Geschlechtsumwandlungs-Ideologie der (angeblichen)
Auswechselbarkeit beider Geschlechter. Hier hatte das Ganze angefangen mit den intensiven Geschlechtswandelvorkommnissen rund um das Wirken des
Berliner Arztes und Sexualforschers Magnus Hirschfeld (1868-1935), der der Mitbegründer der ersten deutschen, öffentlichen Homosexuellenbewegung
(Gründung des Wissenschaftlich humanitären Komitees (WhK) im Jahre 1897) und verschiedener sexualwissenschaftlicher Organisationen war.
Hirschfeld eröffnete 1919 das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft und prägte die (deutsche) Sexualforschung jener Zeit
überaus entscheidend. Nicht zuletzt ist er jedoch bekannt geworden durch die detaillierte Ausarbeitung seiner sogenannten Zwischenstufen-Theorie
- auf seine Maxime "Der Mensch ist nicht Mann oder Frau sondern Mann ùnd Frau" basierend und für jene martialischen "Gründerjahre"
überaus revolutionär. Eine Aussage jedoch, welche sich durch die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Genetik und der Molekularbiologie
mehr als bestätigt hat - auch wenn das Patriarchat sich auch heute noch immer mehr oder weniger erfolgreich (Freud-Einfluss!) dagegen wehrt.
Denn, wie vorgehend ausführlich dargelegt, war den Menschen in den vorchristlichen Zeiten diese Erkenntnis bereits geläufig: "Am
Anfang war das Weib" - die Ur-Weiblichkeit als die Ausgangslage allen (geschlechtlichen) Werdens, d.h. Adam entstand aus Eva und nicht Eva
aus Adam! Wie gesagt, hatte Hirschfeld dieses natürliche "Gesetz des Lebens" bereits damals - vor hundert Jahren also
- als richtig erkannt und dieses in seiner 2000 Seiten umfassenden sexualwissenschaftlichen Abhandlung der "Geschlechtskunde" verarbeitet.
Denn in diesem einmaligen Standardwerk verschwanden die Homosexuellen in der Vielzahl der Zwischenstufen, die sich - der besseren Übersicht
halber - in vier Hauptgruppen einteilen ließen und zwar in die Zwischenstufen der Geschlechtsorgane (Hermaphroditismus), der gegengeschlechtlichen,
sekundären Geschlechtsmerkmale (Androgyn-Status), des Geschlechtstriebes (Homosexualität) und der sonstigen, abweichenden seelischen
Eigenschaften (Transvestitismus). In diesem Hirschfeldschen Verständnis bildeten jene vier Hauptgruppen die biologisch begründeten "Zwischenstufen"
zwischen "Vollmann" und "Vollweib". Weiter hatte er dabei - auf Druck des maskulinen Berliner Homosexuellen-Flügels (u.a.
Bund der Eigenen) die Gruppe der "Umkleidungstäter" von den Homosexuellen gelöst und für sie die Bezeichnung "Transvestiten"
vorgeschlagen - im Jahre 1923 benutzte er dann erstmals den Begriff "Transsexualismus", allerdings in Verbindung mit Transvestitismus
als dessen extremster Form. Die (sexual-)wissenschaftliche Ausarbeitung dieses aufsehenerregenden, geschlechtlichen Phänomens fand dann 1966
in den USA durch den mit Hirschfeld befreundeten, amerikanischen Sexualforscher Harry Benjamin in seinem Standardwerk des Transsexualismus "The
transsexual phenomenon" statt: die Geburtsstunde der USA-Geschlechtsumwandlungs-Euphorie in den sechziger und siebziger Jahren hatte geschlagen. Zu Anfang der zwanziger Jahre wurden die im Hirschfeldschen Sinne als "extreme Transvestiten" bezeichneten Personen
zunächst auf eigenen Wunsch und unter Belehrung der Folgen einseitig bzw. zweiseitig kastriert - geübt in derartigen Eingriffen waren
die Chirurgen bereits durch Genitaloperationen an (männlichen) Verletzten des Ersten Weltkrieges (wie wir beim Phänomen der (weiblichen)
Hysterie gesehen haben, war man (Mann!) bei (weiblichen) "Kranken" wesentlich weniger glimpflich). Der damalige Kapazität auf dem
Gebiet der Genitalchirurgie, Richard Mühsam, berichtete 1926 über einen von Hirschfeld an ihn überwiesenen Patienten, an dem ein
erster Versuch einer plastischen Operation durchgeführt wurde: dies nachdem der "Transvestit" zuerst 1920 kastriert und dann 1921
ein (hysterisches?) Ovarium eingepflanzt worden war - der Anfang der ersten "Menschenversuche" der Geschlechtumwandlungs-Apologeten....!
Denn zu Anfang tat man (Mann!) sich doch recht schwer bei der chirurgischen Ausarbeitung der transsexuellen Idee. Im Jahre 1931 fand dann in Dresden die allererste "richtige" Geschlechtsumwandlung des dänischen Dichters
Einar Wegener zu Lili Elbe (wg. Dresden) statt. Im gleichen Jahr erschien ihre Biographie "Ein Mensch wechselt sein Geschlecht: eine Lebensbeichte",
ein Jahr später war sie tot. Nachdem dann im Jahre 1952 die breit vermarktete Geschlechtsumwandlung der (gleichfalls) Dänin Christine
Jörgensen, vormals der GI George Jörgensen, Furore gemacht hatte (Harry Benjamin war maßgeblich beteiligt), bemächtigte sich
die ärztliche Kunst des Geschlechtswandels: sie verhalf den Betroffenen zu chirurgischen und hormonellen Möglichkeiten, die bis dahin
nicht für möglich gehalten worden waren - "künstliche Geschlechter", gleichwertig mit natürlichen.....! Die darauf
in den USA einsetzende, sprunghafte Entwicklung der transsexuellen Idee nach der schrankenlosen "anything goes"-Devise führte zu
einer überaus florierenden ärztlichen Umwandlungsindustrie - aus Männern wurden (wieder) Frauen gemacht, wie einst in antiken Zeiten.
Diesmal wurde jedoch nicht nur kastriert, sondern auch über eine mehr oder weniger tiefe Scheide (sogenannte "Neovagina") mit Klitorisandeutung,
der weibliche Genitalapparat "nachgebaut", jedenfalls das was man (Mann!) davon erwartete.... Denn es ist kein Geheimnis, daß
in jenen Jahren viele "umgebaute" Männer anschließend als nunmehr "weibliche" Prostituierte arbeiteten: es wurde
operiert nach dem simplen Motto: "Hauptsache die Kasse stimmt!" Jan Morris sorgte dann mit ihrem schönfärberischen Biographie-Report
"Conundrum" (1974) für das Aufkommen der marokkanischen Stadt Casablanca als transsexuelles Pilger-Dorado zum fleißigen (arabischen)
Transsexer-Chirurgen Charles Burou. Auch die Popsängerin Amanda Lear (1978 mit dem Popsong "Follow me") sorgte für großes
mediales Aufsehen - der "american dream" in der "Welt der unbegrenzten (Geschlechtswandel-)Möglichkeiten" schien endlich
wahr zu werden und der Kastrationsvorgang (für beide Geschlechter) nun auch vor allem im ethisch-ideellen Sinne legitimiert. Ärzte maßten
sich an "Gott zu spielen", und wie im Falle der "castrati" heiligte auch hier der (ärztliche) Zweck die Mittel: das (uralte)
Phänomen des transsexuellen (gegengeschlechtlichen) Empfindens wurde kurzerhand zur "Krankheit" erklärt. Künftig bekam
die "Im falschen Körper"-Suggestion die Oberhand (geht zurück auf Karl-Heinrich Ulrichs Metapher für die (männliche)
Homosexualität im Sinne einer "weiblichen Seele in einem männlichen Körper"!) und es wurde - jedenfalls seitens Ärzten
und Betroffenen - kein Halt gemacht, bis aus einem (angeblich) "falschen" Körper ein "richtiger" Körper geworden
war. Dies sozusagen nach dem Motto, wie es der Berliner Sozialwissenschaftler Rainer Herrn in einem trefflichen Bonmot mal auf den Punkt brachte:
"Vom Geschlechtsverwandlungswahn zur Geschlechtsumwandlung". Oder auch: "Wie sage ich es dem (TS-) Volke", nicht zuletzt seitens
der sich später massiv einmischenden TS-Selbsthilfe-Gruppen und deren profil- bzw. profitsüchtigen Guru-Figuren. Daß es keine
transsexuellen Körper gibt, sondern nur falsche Denkmodelle, ist erst allmählich klar geworden: die ausufernde Geschlechtsumwandlungs-Euphorie
scheint damit allmählich vorbei zu sein: die entsprechenden (feministischen initiierten) Impulse kommen (wieder) aus den USA (Transgender-Denken). Der Sozialwissenschaftler Stefan Hirschauer ("Die soziale Konstruktion der Transsexualität" (1993) sagt zu
den zur "Normalität" gewordenen Verstümmelungsauflagen im inzwischen fest etablierten, medizinisch-gesetzlichen Umwandlungs-Ritual: "In dieser Argumentation wird mit dem Gemeinplatz der "Therapiegesellschaft" das Problem zugedeckt, wie im
Fall von Transsexuellen Therapie und Leben verwechselt werden, wie nämlich die medizinische Anerkennung als "Transsexueller" und
das Angebot von Behandlungsmöglichkeiten gleichbedeutend mit der sozialen Anerkennung einer anderen Geschlechtszugehörigkeit werden
kann. Nicht nur sind die von Sigusch genannten "letztlich" ausschlaggebenden Therapieleistungen ("Empathie, Aufmerksamkeit, Anerkennung")
im Prinzip nicht-professionelle Qualitäten sozialen Lebens, vor allem werden die Genitaloperationen nicht allein durch Transsexuelle, sondern
auch durch die Sexualwissenschaft mit einer Phantasmagorie ("Mythos Kastration"!) umgeben, die die chirugischen Behandlungen überhaupt
erst für die soziale Behandlung als Mann oder Frau stehen lassen kann: der Suggestion, dass jene Eingriffe "Geschlechtsumwandlungen"
seien. Nicht die "wirksame Realität imagierter Behandlungen", sondern die symbolischen Wirkungen tatsächlicher chirurgischer
Behandlungen sind das beim Geschlechtswechsel des 20. Jahrhunderts relevante Phänomen im Verhältnis von "Therapie" und "Leben".
Siguschs (Prof. Volkmar Sigusch, TS-"Papst" Deutschlands) nachlässige Gleichsetzung der Genitaloperationen mit "Geschlechtsumwandlungen"
hat zwei Folgen. Die erste ist, dass der Aufsatz auf jeden kritischen Kommentar dazu verzichtet, dass das deutsche Transsexuellengesetz (TSG),
im Gegensatz zu anderen (vgl. Will 1982), auf eine gerade blutrünstig explizite Weise eine Genitaloperation zur Anerkennung einer neuen Geschlechtszugehörigkeit
vorschreibt usw. Und der BGH formuliert in einen Grundsatzurteil (S. 333) im Jahre 1971:"...keinesfalls dürfte eine Geschlechtsumwandlung
angenommen werden, solange die Person noch über einigermassen funktionstüchtige äußere Geschlechtsorgane des Ausgangsgeschlechts
verfügt, solange etwa der männliche Transsexuelle in der Lage wäre, mittels ihrer die Strafbestände des §175 StGB zu
verwirklichen; auch würde es nicht angehen, ihm, solange er sich auf dem geschlechtlichen Gebiet noch als Mann betätigen kann, die Eheschliessung
mit einer anderen Person männlichen Geschlechts zu ermöglichen". Hirschauer bemerkte zu dieser BGH-Passage:"Die Genitaloperation
schien dem BGH also zum einen geboten, um der "Gefahr" einer homosexuellen Ehe vorzubeugen, die das "Wesen" der Ehe (als gegengeschlechtlicher
Gemeinschaft) verletzen würde, zum anderen assoziierten die Richter mit der Genitaloperation die Gewähr einer Durchsetzung der Strafverfolgung
zum §175. Mit dieser Assoziation offenbarte die aufgeklärte bundesdeutsche Rechtsprechung gegenüber den "Tatwerkzeugen"
einen Zerstörungswillen, der der Blutrünstigkeit islamischer Rechtsprechung (Talionsprinzip!) in nichts nachsteht. Dem ist hinsichtlich des "Mythos Kastration" wirklich nichts mehr hinzuzufügen: Aus den "Herren, die
halbe Frauen sind" (Galli-Priester und Anhänger des Attis-Kybele-Kults) werden im Paragraphenland Deutschland, nur unter der Verleugnung
und Verrenkung elementarster menschlicher Grundrechte (d.h. das Anrecht auf die körperliche und seelische Unversehrtheit), "Herren,
die ganze Frauen sind" - jedenfalls auf dem Papier (der Personenstandsänderung...). Und wie entrückt oder auch ver-rückt die
Ansprüche einer solchen fanatischen Geschlechtsumwandlungs-Ideologie, speziell in deutschen Gefilden, eigentlich (geworden) sind, machen
uns die nachfolgenden Sätze aus einem Stern-Artikel (Stern 7/98) über den Maler Paul Gauguin und sein "Traum"-Paradies Tahiti
klar: "Eigentlich leben sie dort in drei Geschlechtern, es gibt Männer und Frauen, und es gibt Männerfrauen,
Männer also, die Frau sein wollen, "Schönheiten mit Eiern" nennen sie das. Urprimitive (!) Transvestiten sozusagen. Dort glaubt
man allerdings, daß solche Menschen von Gott geküßt wurden und er ihnen beide Geschlechter mit zum Leben gegeben hat (!). Sie
sind hoch angesehen". Und hier? Das Transsexuellen-Image in den Medien wird immer mehr in Richtung Krankheit, Perversion und Elend verschoben
-"koste es, was es wolle", sogar manchmal die eigene Glaubwürdigkeit . Hauptsache : Kasse, (TV-)Quote und Lügengebäude
stimmen...! Wir wollen diese Abhandlung über den Mythos Kastration abschließen mit einem Schmunzeln über einen gängigen
Clinton-Witz aufgrund seiner Fallatio-Eskapaden im "Oral Office" des Weissen Hauses. Als die Ex-Filmschauspielerin Doris Day den US-Präsident
veranlassen wollte, seinen Hund "Buddy" kastrieren zu lassen, hieß es: Clinton geht zu seinem Tierarzt und sagt: "Ich komme
wegen der Kastration". Darauf der (Tier-)Arzt: "Gut, aber der Hund muß draußen warten"...! Typisch amerikanisch - im
Sinne der "political correctness" zwischen den Geschlechtern - dürfte auch die Tatsache sein, dass die Navy angefangen hat, die
dort besonders vorhandenen Traditionen und Symbole militärischer Potenz zu amputieren. Hierzu gehörte beispielsweise, dass - in einem
Akt vorauseilender Beschneidung - das Abzeichen des Elitegeschwaders VFA - 37, ein überaus viriler Bulle, seine Hoden eingebüsst hat:
Frauen, d.h. den (neuen) Pilotinnen sei ein derart maskuliner Anblick nicht zuzumuten. Jetzt prangt auf den Heckflossen der silbernen Hochleistungsbomber
ein harmloser Ochse...! Und obwohl die Geschlechtertrennung in den amerikanischen Streitkräften bereits 1973 aufgehoben wurde (derzeitiger
Anteil weiblicher Soldaten etwa 13%), lernten die Elitesoldaten der "marines" noch bis vor kurzem solche Schlachtrufe wie:"Vergewaltige,
töte, verstümmele (!)". Diese Gesänge sind zwar inzwischen verbannt, aber noch immer predigen die Ausbilder solche Aggressionen,
offensichtlich auch gegen die eigenen Kolleginnen gerichtet: die sexuelle Belästigung weiblicher Soldaten erschüttert die US-Army zur
Zeit in einem ungekannten Ausmass. Auch hier wieder die typische "illusio virilis"- Hybris eines einbetonierten Patriarchats - wie bei
der Geschlechtsumwandlungs-Ideologie. "Ein Kastrat heilt alle Wunden". So haben wir unsere Betrachtungen über eines der interessantesten Faszinosa
der Menschheitsgeschichte angefangen. Wir beenden sie mit der Feststellung, daß dem wohl nicht so ist...! Im Gegenteil: Immer neue Wunden
werden aufgerissen, je mehr der Mensch in die Natur eingreift - jedenfalls im human-geschlechtlichen Sinne. Denn dass im Tierreich die Kastration
schon seit Jahrtausenden - und in neueren Zeiten entsprechend perfektioniert bzw. nutzbringend gesteigert - zur Normalität gehört, sei
hier nur nebenher erwähnt: wir wollten uns in dieser Abhandlung ja auf die Spezies Mensch beschränken. Mit der (schleichenden) Manipulation
des Menschen über den Kastrationsvorgang (aus den letzterwähnten, ideellen Gründen) und mit der Etablierung der damit einhergehenden
(vorgetäuschten) "Normalität" werden die Übergänge zwischen Mensch und Tier jedoch immer fließender - Orwell
und Huxley lassen grüßen...! Es ist an der Zeit, auf diesen Sachverhalt hinzuweisen, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der vorbeschriebenen Geschlechtsumwandlungs-Ideologie um die doch allmählich überholte Ausuferung einer nicht mehr zeitgemässen "illusio virilis"- Hybris - dem ist entschieden entgegenzuwirken. Was hiermit geschieht, denn Transsexualität ist wahrhaftig keine Krankheit und braucht als solche weder manipulierte (Be-) noch schädigende (Ab-) Handlungen, von welcher Seite auch gefordert und wie dann auch institutionalisiert. Die Zeit der grenzenlosen "illusio virilis" - Machbarkeitsträume ist vorüber: "Neues Denken" ist gefordert. Berlin, den 15.03.1998 Johanna Kamermans |