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Erde Das Besondere im Alltäglichen |
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<<< zurück BEHINDERTE SCHWULE ERLEBEN DOPPELTE DISKRIMINIERUNG "Behinderte Schwule erleben doppelte Diskriminierung: zum einen wegen ihrer Homosexualität, zum anderen - auch gerade in der Schwulenszene - wegen ihrer Behinderung. Es sind nicht nur die Hindernisse auf der Straße und in Gebäuden, die ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben verwehren; es sind vor allem Berührungsängste, die körperliche Einschränkungen zu sozialen Barrieren werden lassen. Behinderte sind sozial abhängig, d. h. sie sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Diese Abhängigkeit ist qualitativ und quantitativ unterschiedlich und kann sich auf alltägliche Verrichtungen, Kommuníkation, Fahrdienste bis hin zur Pflege erstrecken. Am individuellen Bedarf orientierte Assistenz ist für Behinderte eine wesentliche Voraussetzung, um selbstbestimmt zu leben. Die schwule Subkultur, die infolge der gesellschaftlichen Unterdrückung männlicher Homosexualität entstanden ist, hat das an heterosexuellen Vorstellungen orientierte Idealbild des attraktiven Mannes noch übersteigert. So ergibt sich eine Reihe von Problemen aus der Kombination "schwul und behindert". In der sexualisierten Schwulenszene wird der Jugend- und Schönheitskult auf die Spitze getrieben; Männer, die von ihrem Äußeren oder von ihren Körperfunktionen her nicht in jeder Hinsicht der schwulen normativen Ästhetik entsprechen, haben Schwierigkeiten hier jemanden kennenzulernen. Wo die Szene identitätsstiftend wirkt, sind Behinderte meist ausgeschlossen. Es ist ein immer wieder zu beobachtendes Phänomen, daß diskriminierte Randgruppen Außenseiter in ihren Reihen nicht etwa besonders tolerant behandeln. Im Gegenteil: Um die Außenseiterrolle zu kompensieren, wird die Ablehnung in der eigenen Gruppe weitergegeben. Körperbehinderungen sind mit der schwulen Ästhetik ebensowenig vereinbar wie mit der heterosexuellen. Entstellungen oder Amputationen "beschädigen" die körperliche Integrität ebenso wie ruckartige oder andere von der Norm abweichende Bewegungsmuster oder für Außenstehende schlecht verständliches Sprechen. Dies löst - ebenso wie geistige Behinderung - bei Nichtbehinderten oft Ekel, Abwehr oder schlicht Ignoranz aus. Die wiederholt erlebte Abwertung und Ausgrenzung durch andere löst bei behinderten Schwulen häufig einen Prozeß der Selbstabwertung aus." Aus: Hans-Hellmut Schulte: Behinderte Schwule und soziale Barrieren In: Leben mit Behinderung Leben mit Aids - eine Annäherung Peter Wießner ( Hrsg.) Aids-Forum Deutsche Aids-Hilfe Band XXXV |