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Schwule im Alter - Alte Schwule mobil! Gay & Gray lädt Men’s Club aus Prag nach München ein Gay & Gray trifft Prag vom 01. bis 04. Sept. 2005 in München
Gay & Gray gibt sich die Ehre und lädt Men’s Club aus Prag nach München ein. Neun Böhmer/Tschechen und ein Berliner (40plus, Berlin – eigens zu diesem Ereignis angereist) erreichten München, die "Weltstadt mit Herz" am Donnerstag, den 1. September pünktlich am späten Nachmittag, wohlauf, gutgelaunt und sehr, sehr neugierig, ob der bevorstehenden Tage. Die Aufregung war sicherlich groß, die Wirte, die private Unterkünfte zur Verfügung stellten, nahmen sich ihrer Gäste an und machten sich miteinander bekannt – die Quartiere wurden bezogen. Man(n) traf sich dann am Abend im Sub e.V. Sub - Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V. Sub e.V. - Sub Online http://www.subonline.org/ Müllerstraße 43 80469 München zum Stehimbiss, beide Gruppen lernten sich kennen, Sprachbarrieren wurden überwunden, Kontakte wurden geknüpft, Sympathien wurden verkündet, oder sorgsam verborgen – halt der ganz normale Wahnsinn. Danach ging es noch in ein paar Szenelokale, bevorzugt wurden die traditionell etablierten Lokale, in denen es lediglich darum ging, die Ereignisse des Tages, der Reise und des Abends bei einem "Nightcup" Revue passieren zu lassen. Schon um 10.30 Uhr begann am Freitag das Besuchsprogramm: Gastgeber und Gäste ließen sich beim Weißwurstfrühstück im Alten-Service-Zentrum in der Hans-Sachs-Straße von Jens Dietrich über die Arbeit des ASZ berichten. Schwerpunktmäßig konzentrieren sich deren Bemühungen zur Zeit auf heterosexuell orientierte Menschen; bedingt durch die Nachbarschaft im Glockenbachviertel werden die Bedürfnisse alter schwuler Menschen mehr und mehr wahr genommen. Das ASZ ist durchaus bereit, sich auf die besonderen Herausforderungen in der Betreuung älterer homosexueller Männer und Frauen einzustellen. Dies war die Botschaft, nehmen wir Jens bei Zeiten doch beim Wort... Was wäre Gay & Gray ohne unseren Dieter Klein, der am Nachmittag Gästen und Gastgebern eine Zeitreise durch München bot. Detailtreu führte Dieter durch die Altstadtstraßen Münchens, vom Sendlinger-Torplatz bis zur Residenz und berichtete unseren Gästen spannend von Architektur, Bebauung und Kultur, natürlich blieb die Monarchie Bayerns dabei nicht unerwähnt. Die Verbindungen zwischen Böhmen / Tschechien / K&K und Bayern wurden offensichtlich und Gäste und Gastgeber entdeckten gemeinsame Wurzeln. Der Tag wurde durch einen tollen Abend im Sub abgerundet. Das Chico spendierte eine Gemüsesuppe der Superlative, das kalte Buffet haben wir uns selbst spendiert. Es ist gut möglich, dass die Mägen bis zu diesen Zeitpunkt in den Kniekehlen hingen, hernach wurden nur noch bräsig und zufriedene Gesichter und Bäuche beobachtet. Wer jetzt dachte die Party sei vorbei, hatte sich getäuscht: Die Schwuhplattler beherrschten, wie aus dem Nichts, den Raum. Auf engsten Raum tanzten sie, klatschen auf ihre Oberschenkel, hoben ihre Hax’n in die Höh’, gingen zugleich in die Knie, grölten bayerische Brunft und verzauberten mit Trachten, Tanz und Musik Gäste und Gastgeber. Der Eine oder der Andere mutmaßte: "Die sind gar nicht schwul", bei sooooo viel bayerischer Männlichkeit. Und ob ... so schön kann schwul eben auch sein. Zwischen- und nach den Tänzen haben die Schwuhplattler auch über ihre Entstehung berichtet, über gestrige und jetzige Schwierigkeiten mit traditionellen (heterosexuellen) Trachtenvereinigungen – aber auch über ihre Erfolge: Mehr als 50 schwule Trachtler haben sich bereits angeschlossen und sie werden mehr und mehr. Die Schwuhplattler expandieren und bringen mit ihrer betont bayerischen Folklore einen wesentlichen Beitrag zum schwulen Selbstverständnis bis in das letzte CSU-regierte bayerische "Kuhdorf" ein. Gay&Gray und Gäste sind sich ganz sicher: Die "Schwuplattler" tanzen sich in die Herzen der Menschen, egal ob schwul, lesbisch oder hetero. Wir bedanken uns an dieser Stelle für den Auftritt und wünschen weiterhin "toi, toi, toi". Der Abend setzte sich danach im Münchener Nachtleben mit Gästen und Gastgebern fort, oder man(n) klinkte sich zum "Matrazenhorchdienst" einfach nur aus. Der folgende Samstag ging dann für Gäste und Gastgeber etwas später an. Der Vormittag war für individuelle Unternehmungen reserviert, jeder plante für sich selbst. Die Einen spazierten durch die Isarauen, die Anderen frühstückten ausgiebig, weitere sahen sich München einfach nur als Touristen an und nutzten die Gelegenheit, ihre Erinnerungsfotos zu schießen. Am Nachmittag wendete sich das Blatt: "Dolce Vita" war vorbei und das Forum Homosexualität und Geschichte. lud zu einer Führung durch das Glockenbachviertel ein. Albert Knoll führte vom "Karl-Heinrich-Ulrich-Platz" bis hin zum "Aids-Memorial" auf den "Sendlinger-Tor-Platz" ohne den "Rosa Stein" im Konzentrationslager Dachau auszulassen. Wir wurden daran erinnert, dass Schwulsein nicht ausschließlich im "Trallala"-Bereich stattfindet, es jedoch Vorreiter gegeben hat, die ihr Lebensgefühl in den Dienst der Gleichberechtigung (heute: Gleichstellung), des Fortschritts und eines schwulen Selbstverständnisses gestellt haben. Viele sind während vergangener Regime an ihrer sexuellen Orientierung zerbrochen, manche gestorben – oder sogar ermordet worden - heute kaum vorstellbar. Der Rundgang endete im Haupteingang des Münchner Rathhauses, mit der Präsentation der Mauerinschrift, die die EuroGames würdigt. Ein Zyklus zwischen Verfolgung, Kriminalisierung und Ehrung endete und nachdenklich trennten sich die Teilnehmer um zu ruhen, Café zu trinken, spazieren zu gehen oder ein Stündlein zu schlafen. Locker war dann die Atmosphäre Beim Franz, immerhin noch ein einzig (bekannter) überlebender Liebhaber von Rainer Werner Fassbinder. Um die 20 Menschen waren angemeldet, 26 trudelten dann ein. Bei wahlweise Pute, Fisch oder Spanferkel im Geist der guten alten Deutsche Eiche, die beim vorher erwähnten Rundgang ausreichend gewürdigt wurde, tauschte man(n) Eindrücke aus und kam sich nochmals ein Stückchen näher. Die Prager Gäste revanchierten sich indem sie einen Schnaps ausgaben, im bayerischen bedeutet dies wohl einen Obstler in die ohnehin rauhen Kehlen zu gießen und Kellner Roland machte aus dem schier Unmöglichen das Mögliche. Fein säuberlich abgezählt hatte er ein Stamperl für jeden parat. Gegen Mitternacht löste sich die Gesellschaft auf. Der Sonntag Morgen war hart – es hieß, langsam Abschied zu nehmen. Die Koffer waren gepackt, Gäste und Gastgeber trafen sich zum letzten gemeinsamen Stelldichein, Brunch im Chico war angesagt. Koffer und Reisetaschen stapelten sich hinter dem Tresen. Gemütlich war´s, als ob die Uhr stehen bleiben würde, aber sie blieb nicht stehen.... Ein kurzer Spaziergang durch den Englischen Garten, einmal Auslüften, einen letzten Weg zum Bahnhof. Sind alle Prager im Zug gut untergebracht? Und kommen sie auch gut heim? Nein, wie zu erwarten, waren sie nicht gut untergebracht. Ihre Platzkarten entpuppten sich als Flop. Obwohl in Prag bestellt und bezahlt, gab es weder reservierte Plätze, noch durfte man(n) so zusammensetzen wie gebucht. Ein Fall für die DB? Kommunikationsfehler? Abzocke? Da beim Einsteigen genügend gemeckert wurde, versprach der Zugführer allen Rückreisenden einen Platz in der 1. Klasse, sollte dort noch Platz sein. Falls nicht, könne man(n) sich ja in Prag um eine Rückerstattung bemühen. Na, so ein Glück, hatten doch die "Alten" bereits für eine andere Vorstellung ihre teuren Tickets gelöst und über so viele Zugeständnissen sind wir dann doch froh. Es gibt kein letztes Mal. Schon jetzt steht fest, dass wir neue Freunde gefunden haben und dass die angebliche Kluft zwischen West und Ost sowie Nord und Süd von Mensch zu Mensch überwunden werden kann. Men`s Club, Prag und Gay & Gray, München haben das vor ein paar Tagen ge- und erlebt. Sehr froh sehen wir weiteren Annäherungen entgegen und freuen uns über den nächsten Austausch, in Prag, München, oder sonstwo. John Dambrowski 12.09.05 Interessante Infos über Schwule im Alter - Alte Schwule mobil! ***Klick hier***
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